Dienstag, 27. November 2007

Route 62 – die Straße der Glückseligkeit

Auch Stadtkinder müssen mal raus in die Natur, in die Einsamkeit, einfach mal abschalten und tief durchatmen. Und das machen wir. Einen kleinen Ausflug entlang der Route 62 mit dem Ziel Outshoorn, also irgendwo in der Pampa im Western Cape.
Nadja und ich fahren zunächst ins Weinmekka nach Stellenbosch. Auf einer Weinfarm bewohnen wir eine Suite. Ja eine Suite. Mit Kamin. Terrasse mit Blick in die Weinberge, Lounge und ein Badezimmer, in dem man Fußball spielen kann.


Blick von der Terrasse auf die Weinberge und den Golfplatz


Doch Luxus hin oder her, wir mögen es einfach. Wir schnappen uns eine Decke, eine Flasche Rotwein, ein Schweizer Taschenmesser und stiefeln in die Weinberge. Die Sonne ist schon längst untergegangen, dafür funkelt uns ein Meer von Sternen entgegen. Die Welt ist Ordnung. Wir sehen Sternschnuppen vorbeiziehen. Na gut. Ich sehe sie. Nadja schaut immer in die falsche Richtung. Es ist der perfekte Ort für Wein und die beste Freundin.
Der nächste Tag. Wir kriechen aus unserem Prinzessinnen-Bett, die Morgensonne lässt die Weinberge erstrahlen. Wir atmen tief ein, jetzt kann die Reise weiter gehen. Ziel ist die berühmte Route 62 – eine der schönsten Straßen Südafrikas. Der Name erinnert natürlich an die legendäre Route 66, der Highway, der Chicago mit San Francisco verbindet und die Route 62 ist eben die südafrikanische Version.


Stadtkinder on the road

Die Straße ist einsam, kaum Autos, kaum Dörfer, einfach nur Weite. Die Strasse schlängelt sich durch die karge Klein Karoo. Fast wüstenartig und dann wieder fruchtbarer Täler, vorbei an riesigen Schluchten und schroffen Felsen. Wir stehen mitten auf der Straße. Irgendwo sieht man Kakteen und ulkige Felsformationen und der Horizont scheint unendlich weit weg zu sein. Wir fühlen uns wie in einem Roadmovie. Die Fenster kurbeln wir nach unten und wir trällern von Grace jones „I need a man“.


Irdendwo in der Pampa

Unser erster Stopp heißt Barrydale. Ein kleines verschlafenes Örtchen irgendwo in der Karoo zwischen Pfirsich-, Apfel- und Birnenplantagen. Wir entdecken ein kleines Café. Ganz gemütlich und so still, der Garten ist ein Paradies. Ein Meer aus bunten Blumen, das Efeu rankt am Haus empor, schöner kann ein Frühstücksambiente nicht sein. Die Fahrt geht weiter. Immer öfter sehen wir Strauße – wir merken, wir kommen der Straußenstadt Oudtshoorn immer näher. Damals um 1880 waren Damen aus Europa und Amerika ganz scharf auf bunt gefärbte Federboas und die kleine Karoo Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Boom. Und mit diesem Boom wurden aus schlichten Farmen wahrhafte Paläste, die man noch heute sehen kann. Auch wenn die Zeiten der Federboas vorbei sind, steht Oudtshoorn immer noch ganz im Zeichen des Riesenvogels. Überall Straussenfarmen, in den Supermärkten gibt es Straußeneier und Straußenstaubwedel zu kaufen und natürlich das saftige Straußensteak.


Uns gehört die Welt

Wir durchqueren die Stadt, fahren weiter, biegen irgendwo ab und holpern mit unserem Auto über die Schotterstraße. Mitten in der Pampa, umgeben von Bergen, Farmen und purer Natur, befindet sich unsere Unterkunft, die Tabelhi Lodge – eine wahre Perle in der Karoo. Da ist Ken, der Besitzer, er will, dass wir entspannen, es gibt erst einmal frisch gepressten Saft. Hier sind wir Prinzessinnen. Wir bekommen das schönste Haus. Ach, was für ein Haus. Ein Haus, das in die Natur passt. Es erinnert ein wenig an die Herberge von Familie Feuerstein, aber eben eine Luxusversion. Wir sind im Paradies. Wir liegen im Jacuzzi und beobachten, wie die Sonne die Berge rot einfärbt. Wunderbar. Wir werden verwöhnt mit einem 3 Gänge Menü – Haute Cuisine. Der perfekte Abschluss ist das Dessert. Ein Genuss für die Sinne – der Koch ist ein Zauberer, ein Künstler.


Auf Willie ist Verlass

Der nächste Morgen. Es ist früh. Sieben Uhr. Wir besuchen die Kühe, sie wollen gemolken werden. Für Stadtkinder – ein großartiges Erlebnis. Lenny, der Farmbesitzer, nimmt uns mit. Er zeigt uns seine Farm. Wir sehen kleine Fohlen, Küken, die gerade aus dem Ei kriechen wollen, Gänse, die wir einfangen müssen, kleine und große Strauße. Ein Tag auf dem Bauernhof. Es ist Zeit, Kapstadt ruft. Wir fahren zurück entlang der Küste. Der Indische Ozean funkelt uns an. Wir stoppen, rennen zum Strand und stürzen uns in die Wellen. Ein rosafarbener Seestern leuchtet neben uns. Einfach so. Wir lassen die Strasse der Glückseiligkeit hinter uns. Schon von weitem sehen wir den mächtigen Tafelberg. Ach, es ist schön, wieder zu Hause zu sein.

Montag, 26. November 2007

Verliebt in Goldfische

Ich höre gern Musik. Ich singe laut im Auto oder unter der Dusche. Oft vergesse ich den Text und noch viel öfter den Interpreten. Ich verstehe nicht viel von Musik – ich mag sie oder eben nicht. Ich mag Seeed, die Chili Peppers, aber auch Udo Jürgens. In meine kleine musikalische Diskographie reihen sich jetzt noch Goldfische ein.

Sonntagabend in Camps Bay. Wir sind im „Ignite“ – ein schicker Club an der Strandpromenade. Auf der Terrasse beobachte ich die Sonne, die glutrot in das Meer eintaucht und sehe, wie der Wind über den Strand fegt. Die Dämmerung bricht an und der Laden füllt sich langsam - Café del Mar Atmosphäre auf afrikanisch. Man lümmelt auf schicken Hockern, schlürft Cuba Libre und schaut sehnsüchtig aufs Meer. Fehlt eigentlich nur noch diese chillige Musik, die doch dazu gehört. Und dafür sorgt Goldfish – die angesagteste Band hier am Kap – sie sind sollen DIE Newcomer in der Elektromusik sein. Schauen wir mal!

Kapstadts Goldfische

„Goldfish“ ist eine feste Größe in Kapstadt, eine Institution sozusagen. So wie Seeed und Berlin oder Fettes Brot und Hamburg einfach zusammengehören.
Diese Kapstädter Zierfische heißen David Poole und Dominic Peters und sind beide studierte Jazz-Musiker. Und sie sind wirklich einzigartig, eigentlich so gar keine Goldfische. Beide Musiker vermischen klassische Instrumental- und elektronische Musik zu einem ganz eigenen Afro-Jazz-House. Ihre chillige House-Musik unterlegen sie mit Saxophon, Querflöte, Kontrabass und Keyboard und zwar live. Ich muss sagen, ein bisschen verliebt bin ich ja jetzt in diese Goldfische, obwohl ich Fische nicht mag nur als Sushi.
Aber hört selbst: http://www.myspace.com/goldfishlive

Fort Knox video clip

Meine Diskograpie wird immer größer. Auch „Plush“ gehört jetzt zum meinem Repertoire. Drei Jungs – zwei davon sind verdammt süß, aber das ist nur Nebensache.
Da ist der Frontmann Rory Eliot aus KwaZulu Natal, der vor 10 Jahren eine Gitarre in die Hand nahm und sie seitdem nicht mehr los ließ. Jetzt nach mehr als 1000 Auftritten und drei Alben ist Rory Eliot ein musikalischer Genuss – ein Juwel der Rock-Pop-Szene hier in Südafrika.


Lecker: Rory Eliot
Seine ersten Erfolge feiert Rory Eliot mit seiner Band "Plush". Beschrieben wurde Plush damals als „so unbelievably tight that they sound as though they are one masterful musician, playing two guitars, with four arms and one almighty voice”.
Rory Eliot und seinem Bandmitglied Chas Smit steht die Welt offen, sie werden geferit und gelobt. Doch der Beginn der Karierre endet schnell und tragisch. Der begabte Gitarrist Smit kommt nach einem Auftitt ums Leben. Ein betrunkener Autofahrer überfährt den 23jährigen an einer Kreuzung. Damit verabschiedet sich auch Rory Eliot aus dem Musikgeschäft.

Im Oktober 2006 meldet sich Rory Eliot unerwartet zurück. Ganz einfach unter seinem Namen. Er holt Drummer Ben Peters und Bassist Emelio Gassibe mit ins Boot. Und ihre Musik berührt. Sie haben Leidenschaft auf der Bühne, sie leben für die Musik und das macht Rory Eliot and the Reason einzigartig.
Aber hört selbst: http://www.myspace.com/roryeliot