Nadja und ich fahren zunächst ins Weinmekka nach Stellenbosch. Auf einer Weinfarm bewohnen wir eine Suite. Ja eine Suite. Mit Kamin. Terrasse mit Blick in die Weinberge, Lounge und ein Badezimmer, in dem man Fußball spielen kann.

Blick von der Terrasse auf die Weinberge und den Golfplatz
Doch Luxus hin oder her, wir mögen es einfach. Wir schnappen uns eine Decke, eine Flasche Rotwein, ein Schweizer Taschenmesser und stiefeln in die Weinberge. Die Sonne ist schon längst untergegangen, dafür funkelt uns ein Meer von Sternen entgegen. Die Welt ist Ordnung. Wir sehen Sternschnuppen vorbeiziehen. Na gut. Ich sehe sie. Nadja schaut immer in die falsche Richtung. Es ist der perfekte Ort für Wein und die beste Freundin.
Der nächste Tag. Wir kriechen aus unserem Prinzessinnen-Bett, die Morgensonne lässt die Weinberge erstrahlen. Wir atmen tief ein, jetzt kann die Reise weiter gehen. Ziel ist die berühmte Route 62 – eine der schönsten Straßen Südafrikas. Der Name erinnert natürlich an die legendäre Route 66, der Highway, der Chicago mit San Francisco verbindet und die Route 62 ist eben die südafrikanische Version.

Stadtkinder on the road
Die Straße ist einsam, kaum Autos, kaum Dörfer, einfach nur Weite. Die Strasse schlängelt sich durch die karge Klein Karoo. Fast wüstenartig und dann wieder fruchtbarer Täler, vorbei an riesigen Schluchten und schroffen Felsen. Wir stehen mitten auf der Straße. Irgendwo sieht man Kakteen und ulkige Felsformationen und der Horizont scheint unendlich weit weg zu sein. Wir fühlen uns wie in einem Roadmovie. Die Fenster kurbeln wir nach unten und wir trällern von Grace jones „I need a man“.

Irdendwo in der Pampa
Unser erster Stopp heißt Barrydale. Ein kleines verschlafenes Örtchen irgendwo in der Karoo zwischen Pfirsich-, Apfel- und Birnenplantagen. Wir entdecken ein kleines Café. Ganz gemütlich und so still, der Garten ist ein Paradies. Ein Meer aus bunten Blumen, das Efeu rankt am Haus empor, schöner kann ein Frühstücksambiente nicht sein. Die Fahrt geht weiter. Immer öfter sehen wir Strauße – wir merken, wir kommen der Straußenstadt Oudtshoorn immer näher. Damals um 1880 waren Damen aus Europa und Amerika ganz scharf auf bunt gefärbte Federboas und die kleine Karoo Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Boom. Und mit diesem Boom wurden aus schlichten Farmen wahrhafte Paläste, die man noch heute sehen kann. Auch wenn die Zeiten der Federboas vorbei sind, steht Oudtshoorn immer noch ganz im Zeichen des Riesenvogels. Überall Straussenfarmen, in den Supermärkten gibt es Straußeneier und Straußenstaubwedel zu kaufen und natürlich das saftige Straußensteak.

Uns gehört die Welt
Wir durchqueren die Stadt, fahren weiter, biegen irgendwo ab und holpern mit unserem Auto über die Schotterstraße. Mitten in der Pampa, umgeben von Bergen, Farmen und purer Natur, befindet sich unsere Unterkunft, die Tabelhi Lodge – eine wahre Perle in der Karoo. Da ist Ken, der Besitzer, er will, dass wir entspannen, es gibt erst einmal frisch gepressten Saft. Hier sind wir Prinzessinnen. Wir bekommen das schönste Haus. Ach, was für ein Haus. Ein Haus, das in die Natur passt. Es erinnert ein wenig an die Herberge von Familie Feuerstein, aber eben eine Luxusversion. Wir sind im Paradies. Wir liegen im Jacuzzi und beobachten, wie die Sonne die Berge rot einfärbt. Wunderbar. Wir werden verwöhnt mit einem 3 Gänge Menü – Haute Cuisine. Der perfekte Abschluss ist das Dessert. Ein Genuss für die Sinne – der Koch ist ein Zauberer, ein Künstler.

Auf Willie ist Verlass
Der nächste Morgen. Es ist früh. Sieben Uhr. Wir besuchen die Kühe, sie wollen gemolken werden. Für Stadtkinder – ein großartiges Erlebnis. Lenny, der Farmbesitzer, nimmt uns mit. Er zeigt uns seine Farm. Wir sehen kleine Fohlen, Küken, die gerade aus dem Ei kriechen wollen, Gänse, die wir einfangen müssen, kleine und große Strauße. Ein Tag auf dem Bauernhof. Es ist Zeit, Kapstadt ruft. Wir fahren zurück entlang der Küste. Der Indische Ozean funkelt uns an. Wir stoppen, rennen zum Strand und stürzen uns in die Wellen. Ein rosafarbener Seestern leuchtet neben uns. Einfach so. Wir lassen die Strasse der Glückseiligkeit hinter uns. Schon von weitem sehen wir den mächtigen Tafelberg. Ach, es ist schön, wieder zu Hause zu sein.

