Sonntag, 21. Oktober 2007

Geburtstag auf südafrikanisch und wir sind endlich Weltmeister

Liebe Leser, ich bin jetzt mal kurz 27 geworden. Geboren also 1980 – ein ereignisreiches Jahr:
Das Birkhuhn beispielsweise wird Vogel des Jahres, Reinhold Messner bezwingt ohne Sauerstoffgerät als erster Bergsteiger den Mount Everest im Alleingang. Santa Maria von Roland Kaiser ist fünf Wochen auf Platz 1 der Single Charts. Die Sommerzeit wird wieder eingeführt und Ronald Reagan wird Präsident der USA. Deutschland wird Fußball-Europameister und Bob Marley gibt sein letztes Konzert.

Aber zurück zu Kapstadt. Kapstadt hat einen enormen Vorteil gegenüber Berlin. Ich kann Geburtstag feiern und im Freien eine Grillparty schmeißen. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Also lade ich zu einem großen Braai ein, um mit mir in den nun schon 27. Geburtstag zu feiern.


Kuchen für alle

Es gibt Björns legendären Kartoffelsalat sogar mit Gewürzgurken. Sie schmecken zwar nicht wie richtige Gewürzgurken, aber immerhin sehen sie so aus. Es gibt natürlich noch viel Fleisch und viel Alkohol, ach ja und viele Leute.
Es ist Mitternacht und alle machen sich bereit. Ein riesiger Schokoladenkuchen mit einem Mousse au Chocolat Belag wartet auf mich. Dazu gibt es eine Kerze. Es ist die Letzte, die noch im Haus zu finden war.


Geburtstagsküsse

Dazu gibt es das Geburtstagsständchen, es ist schief und krumm, aber sehr rührend. Alle stellen sich brav in die Reihe und dann darf geschüttelt, umarmt, geküsst und geknutscht werden. Und dann werfe ich meinen Kuchen unter die Geburtstagsgäste. Ach und dann sind da ja noch die Geschenke, man feiert ja schließlich nicht umsonst Geburtstage. An dieser Stelle möchte ich mich natürlich bei allen bedanken. Hier ein kleiner Auszug:
- ein kleines Taschengeld und geile Puma-Schuhe von meinen Eltern – Merci, das kann ich gut gebrauchen
- ein Berlin-Paket von meinen drei Berliner Engeln Anni, Dörte und Silke. Das hat mich echt zu Tränen gerührt
- Kitesurfkurs von Björn. Ich habe ihn überlebt, Björn leider nicht ganz
- eine handsignierte CD von Rory Eliot von Susan. Als echter Groupie fehlte mir das natürlich in meiner Sammlung
- Schweizer Schokolade und einen Liebesbrief von Nadja. Den Rest holen wir hier in Kapstadt nach
- Getty Images Fotobuch (1980s Decades of the 20th Century) von Wieland. Vielen Dank Herr Fotograf, eine wunderbare Idee
- und und und


Thema: Weltmeisterschaft
Großer Jubel und Freudentaumel in Südafrika. Die „Springboks“ wurden zum zweiten Mal Rugby-Weltmeister und damit ihrer Favoritenrolle gerecht. Unter den Augen von Prinz Harry und William stürzen die Südafrikaner Titelverteidiger England in einem dramatischen Spiel vom Thron. Ob in Durban, Johannesburg oder Kapstadt – überall im Land herrschte Ausnahmezustand nach dem verdienten Sieg. Auch bei mir brach das WM-Fieber aus. Eine Leinwand musste her, einheitliche Kleidung, Flaggen auf der Wange, Fahne in der Hand und dann immer schön zusammen Lieder einstimmen. Wenigstens noch mal ein wenig WM-Final-Luft schnuppern...




Ein kleiner Rugby-Fan feiert mit

Es ist 21 Uhr. Anstoß in Paris vor 80.000 Zuschauern. Wir sitzen am Hafen vor einer riesigen Leinwand. Alle tragen grün, rot ist tabu, außer man sympathisiert mit den Engländern.
Ich bin stolz, denn ich verstehe immer mehr das Spiel. Rugby ist spannend. Statt ein oder zwei Stürmer wie beim Fußball gibt es bei Rugby Acht davon. Besonders lustig wird es, wenn es zum so genannten ruck kommt. Hier werfen sich die Spieler übereinander, aber auf den Füßen stehend und versuchen den Gegner wegzuschieben. Der Ball darf dabei nicht mit der Hand gespielt werden.


Jaaa, wir sind Weltmeister

Es sieht nach einem dramatischen Finale. Zur Halbzeit führt Südafrika nur ganz knapp. Alles ist offen. Dann die 65. Minute. Nur noch 15 Minuten ... plötzlich .. Dunkelheit. Das darf nicht wahr sein. Stromausfall zum Finale. Die Leinwand ist nur noch ein grauer Schatten. Und jetzt? Geduldig sein? Wir sind es. Nach ca. sieben Minuten geht es weiter. Alles halb so schlimm und am Ende gewinnt Südafrika in einem sehr defensiven Spiel dennoch verdient. Nach dem Abpfiff bebt die Stadt. Autokorsos mit Hupen und Flaggen, die Menschen liegen sich in den Armen, Feuerwerke und Jubeschreie ... ach schade ... wären wir doch letztes Jahr auch Weltmeister geworden.

1 Kommentar:

hejgen hat gesagt…

Hey Jule, ja das stimmt. Wow, wie biste denn auf meinen Blog gekommen. Hab schon länger versucht mal ein paar Leutchen zu finden, von damals. Du bist jetzt in Kapstadt? Wat machsten da? Herzlichen Glückwunsch nochmal nachträgtlich zum Geburtstag. Hab inzwischen auch den Oli wiedergetroffen. Also, bis die Tage
Grüßle Hagen