Mittwoch, 31. Oktober 2007

Am Kap der Gelassenheit: Was Wetter, Wein und Wellen so bewirken

Kapstadt am Südzipfel Afrikas ist schon ganz schön verwöhnt - mit einfach zu gutem Wetter und zu schönen Stränden. Eine kleine Diva eben! Keine Frage, das hat Auswirkungen auf den Alltag. Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit sind das Ergebnis der Wir-Sind-noch-gerade-am-Strand-Mentalität. Wenn die Sonne auf die Glitzermetropole brennt, dann lockt eben der Strand und was du heute nicht kannst besorgen, das verschiebe eben auf übermorgen (wenn das Wetter dann wieder schlechter ist).
Sonnenuntergang mal kurz nach der Arbeit ....



... oder ein kleines Picknick am Fuße des Tafelberges mit Blick über das Meer

Wer sich verspätet, braucht auch keine „Sorry ich bin in zehn Minuten da“ SMS schreiben“. Und wer auf jemanden wartet, der sollte nach der halben Stunde Verspätung bloß nicht rumnörgeln. Schließlich ist das Kapstadt und da schalten eben alle einen Gang runter. Die Johannesburger nennen dieses Lebensgefühl liebevoll oder auch neidvoll Kapkoma. Mit gutem Grund. Denn die Johannesburger sind fleißig, geschäftstüchtig und arbeiten hart, sehr hart. Was sollen sie auch sonst machen? In Johannesburg gibt es keine Strände, die sie in Versuchung bringen und keine Weinberge gleich um die Ecke, die sie von der Arbeit abhalten. Echte Johannesburger würden nie nach Kapstadt ziehen und ein Kapstädter geht auch nur in allerletzter Instanz nach Johannesburg. Ein echter Berliner würde ja auch nicht freiwillig nach München ziehen.

Auch ich übernehme dieses Lebensgefühl immer mehr. Keine Konstruierung von irgendwelchen Problemen, die eigentlich gar nicht existieren und viel Geduld und Gelassenheit. Ich kann ewig in der Supermarktschlange warten, auch wenn es an der Kasse drei Stornos vor mir gibt und Staus regen mich schon lange nicht mehr auf. Und auch ich kann mir nicht vorstellen in Johannesburg zu wohnen. Ich halte es da lieber mit dem Spruch: Geduld ist die Tugend der Glücklichen. Und ich muss sagen, es stimmt.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Geburtstag auf südafrikanisch und wir sind endlich Weltmeister

Liebe Leser, ich bin jetzt mal kurz 27 geworden. Geboren also 1980 – ein ereignisreiches Jahr:
Das Birkhuhn beispielsweise wird Vogel des Jahres, Reinhold Messner bezwingt ohne Sauerstoffgerät als erster Bergsteiger den Mount Everest im Alleingang. Santa Maria von Roland Kaiser ist fünf Wochen auf Platz 1 der Single Charts. Die Sommerzeit wird wieder eingeführt und Ronald Reagan wird Präsident der USA. Deutschland wird Fußball-Europameister und Bob Marley gibt sein letztes Konzert.

Aber zurück zu Kapstadt. Kapstadt hat einen enormen Vorteil gegenüber Berlin. Ich kann Geburtstag feiern und im Freien eine Grillparty schmeißen. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Also lade ich zu einem großen Braai ein, um mit mir in den nun schon 27. Geburtstag zu feiern.


Kuchen für alle

Es gibt Björns legendären Kartoffelsalat sogar mit Gewürzgurken. Sie schmecken zwar nicht wie richtige Gewürzgurken, aber immerhin sehen sie so aus. Es gibt natürlich noch viel Fleisch und viel Alkohol, ach ja und viele Leute.
Es ist Mitternacht und alle machen sich bereit. Ein riesiger Schokoladenkuchen mit einem Mousse au Chocolat Belag wartet auf mich. Dazu gibt es eine Kerze. Es ist die Letzte, die noch im Haus zu finden war.


Geburtstagsküsse

Dazu gibt es das Geburtstagsständchen, es ist schief und krumm, aber sehr rührend. Alle stellen sich brav in die Reihe und dann darf geschüttelt, umarmt, geküsst und geknutscht werden. Und dann werfe ich meinen Kuchen unter die Geburtstagsgäste. Ach und dann sind da ja noch die Geschenke, man feiert ja schließlich nicht umsonst Geburtstage. An dieser Stelle möchte ich mich natürlich bei allen bedanken. Hier ein kleiner Auszug:
- ein kleines Taschengeld und geile Puma-Schuhe von meinen Eltern – Merci, das kann ich gut gebrauchen
- ein Berlin-Paket von meinen drei Berliner Engeln Anni, Dörte und Silke. Das hat mich echt zu Tränen gerührt
- Kitesurfkurs von Björn. Ich habe ihn überlebt, Björn leider nicht ganz
- eine handsignierte CD von Rory Eliot von Susan. Als echter Groupie fehlte mir das natürlich in meiner Sammlung
- Schweizer Schokolade und einen Liebesbrief von Nadja. Den Rest holen wir hier in Kapstadt nach
- Getty Images Fotobuch (1980s Decades of the 20th Century) von Wieland. Vielen Dank Herr Fotograf, eine wunderbare Idee
- und und und


Thema: Weltmeisterschaft
Großer Jubel und Freudentaumel in Südafrika. Die „Springboks“ wurden zum zweiten Mal Rugby-Weltmeister und damit ihrer Favoritenrolle gerecht. Unter den Augen von Prinz Harry und William stürzen die Südafrikaner Titelverteidiger England in einem dramatischen Spiel vom Thron. Ob in Durban, Johannesburg oder Kapstadt – überall im Land herrschte Ausnahmezustand nach dem verdienten Sieg. Auch bei mir brach das WM-Fieber aus. Eine Leinwand musste her, einheitliche Kleidung, Flaggen auf der Wange, Fahne in der Hand und dann immer schön zusammen Lieder einstimmen. Wenigstens noch mal ein wenig WM-Final-Luft schnuppern...




Ein kleiner Rugby-Fan feiert mit

Es ist 21 Uhr. Anstoß in Paris vor 80.000 Zuschauern. Wir sitzen am Hafen vor einer riesigen Leinwand. Alle tragen grün, rot ist tabu, außer man sympathisiert mit den Engländern.
Ich bin stolz, denn ich verstehe immer mehr das Spiel. Rugby ist spannend. Statt ein oder zwei Stürmer wie beim Fußball gibt es bei Rugby Acht davon. Besonders lustig wird es, wenn es zum so genannten ruck kommt. Hier werfen sich die Spieler übereinander, aber auf den Füßen stehend und versuchen den Gegner wegzuschieben. Der Ball darf dabei nicht mit der Hand gespielt werden.


Jaaa, wir sind Weltmeister

Es sieht nach einem dramatischen Finale. Zur Halbzeit führt Südafrika nur ganz knapp. Alles ist offen. Dann die 65. Minute. Nur noch 15 Minuten ... plötzlich .. Dunkelheit. Das darf nicht wahr sein. Stromausfall zum Finale. Die Leinwand ist nur noch ein grauer Schatten. Und jetzt? Geduldig sein? Wir sind es. Nach ca. sieben Minuten geht es weiter. Alles halb so schlimm und am Ende gewinnt Südafrika in einem sehr defensiven Spiel dennoch verdient. Nach dem Abpfiff bebt die Stadt. Autokorsos mit Hupen und Flaggen, die Menschen liegen sich in den Armen, Feuerwerke und Jubeschreie ... ach schade ... wären wir doch letztes Jahr auch Weltmeister geworden.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Ein Wochenende in der Wildnis: Die Big Five und andere Abenteuer

Was fällt uns sofort ein, wenn wir an Südafrika denken? Ja, natürlich – der Krüger Nationalpark! Wir stellen uns vor, wir fahren in khakifarbenen Hemden und Safarihut in einem offenen Jeep durch die Steppe. Gerüstet mit Kamera und Fernglas pirschen wir uns durch das Dickicht immer auf den Spuren der „Big Fives“. Ja so oder so ähnlich ist auch der Kurztrip mit Björn verlaufen.
Wir treffen uns am Flughafen in Johannesburg. Anne-Katrin, meine ehemalige Bild-Kollegin, holt uns ab. Von der Autobahn sehen wir die glitzernde Skyline, von hier sieht die Stadt so friedlich aus. Auch die Gegend, in der Anne wohnt, scheint so friedlich. Unweit von ihrem Haus in Melville befinden sich kleine Cafés zum entspannen, Galerien zum Staunen, alte Antiquariatsläden zum Stöbern. Hier treffen sich die Johannesburger (auch Jozis genannt) und trinken ihren morgendlichen Café in der Sonne. Abends verwandelt sich diese Gegend dann in eine pulsierende Partymeile. Und dann ist da ja noch Annes Haus. Das ist einfach wunderbar. Wir haben das Gefühl irgendwo in der Toskana gelandet zu sein. Alles ist so mediterran verziert, ein dunkler Dielenboden, handverputzte ockerfarbenene Wände, die Badezimmer aus Naturstein gestaltet, auf der Terrasse rankt üppig das Efeu herunter. Am großen Holztisch am offenen Kamin gibt es Käse, Wein und Oliven.
Soll Johannesburg wirklich so eine gefährliche Stadt sein? Der Statistik zu folge schon: Die Zahl der Morde überschreitet mittlerweile sogar die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle. Einer Studie des südafrikanischen Institute for Security Studies in Pretoria zufolge gab es beispielsweise im Jahr 1999 in Johannesburg 117 Morde pro 100 000 Einwohner.
Zeit in Johannesburg bleibt uns ohnehin nicht. Am nächsten Morgen sitzen wir in einem Van auf dem Weg in den berühmten Krügerpark – der Touristenmagnet Südafrikas! Zählt man im Jahre 1927 noch drei Fahrzeuge im gesamten 20.000 qkm großen Park (so groß wie Rheinland-Pfalz), so sind es heutzutage durchschnittlich 50.000 Besucher. Das Schutzgebiet wurde am 26. März 1898 von Präsident Paul Kruger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis gegründet. 1926 erhält das Gebiet den Status Nationalpark und wird in den heutigen Namen umbenannt.



Elegant stolzieren die Giraffen durch den Kruger

Nach gut fünf Stunden kommen wir in unserem Camp an – ein Bilderbuch-Safari-Camp. Wir wohnen in Baumhäusern aus Bambus, ein Moskitonetz hängt über dem Bett, ein alter Ventilator versucht sein bestes. Auf der Terrasse können wir über das grüne Dickicht schauen. Ein Zirpen, Zwitschern hallt aus dem Park. Wir sind die Hauptdarsteller in „Jenseits von Afrika“ – nur Robert Redford fehlt noch.
Wir sitzen am Lagerfeuer und lernen unsere Gruppe kennen. Das ist zum Beispiel Irvin, der Chemiewaffenbauer aus den USA. Jetzt hat er die Seite gewechselt und arbeitet für eine internationale Organisation, die für die Vernichtung der Chemiewaffen zuständig ist. Oder da ist Rick, der die Opfer des Bürgerkrieges im Kosovo zählt.


Touri Björn freut sich auf die Safari

Am nächsten Morgen beginnt unsere erste Safari. In einem olivenfarbenen offenen Jeep nehmen wir Platz. Zuererst erklärt unser Ranger mit dem Namen Prinz Charles uns die Safari-Regeln. Den Jeep nicht verlassen! Nicht vor lauter Begeisterung los schreien, wenn man einen Löwen entdeckt! Und nicht bei jeder Giraffe Stop rufen! Na gut, dann los. Der Jeep schaukelt über die Schotterstraße, ein fast noch kühler Fahrtwind streichelt unser Gesicht. Es ist mucksmauschenstill im Jeep. Wir lauschen gespannt den Krüger-Geräuschen, wir schauen in die Weite. Da plötzlich. Vor unserer Nase. Ganz dicht. Giraffen. Ganz elegant und unbeeindruckt von uns bewegen sie sich von Strauch zu Strauch und knabbern an den Blättern. Daneben eine Herde Zebras und dazu der typische Ranger-Witz: „Schaut mal, das sind Pferde im Pyjama! Und was ist der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Zebras? Na!? Männliche Zebras haben schwarz-weiße Streifen und weibliche weiß-schwarze-Streifen! Ha, Ha!


Seekopfadler haben den perkten Platz

Kameras werden gezückt, es klickt und klickt. Wir fahren weiter. Am Straßenrand stakst eine Herde Impalas (Antilope) entlang. Links und rechts lebt auf einmal der Krügerpark. In einem Baum machen es sich ein paar Weißkopfadler bequem. Darunter watscheln Warzenschweine entlang und in der Ferne hüpfen Kudus durch die Steppe. Ein nächster Stopp. Büffel! Was für mächtige Tiere. Kameras klicken wieder – schließlich gehört der Büffel auch zu den Big Five.


Löwen gelangweilt im Krüger

Jetzt noch Löwen sehen, das wäre doch was! Unser Ranger macht sich schlau. „He habt ihr heute schon Löwen gesehen, fragt er den Fahrer des vorbeikommenden Autos. „Ja heute morgen, 30 Kilometer nördlich, zwei Kilometer vor der Kreuzung auf der rechten Seite! Also ob, die um drei Uhr nachmittags noch an der gleichen Stelle liegen. Pah! Doch Prinz Charles hat ein gutes Gefühl. Er kennt sich aus, weiß genau, wo sie sein sollen. Er lenkt, dreht nach rechts, dann nach links, vorbei an Rehen, Zebras, Vögeln, sogar ein Krokodil sehen wir auf dem Weg. Plötzlich hält er an. Es raschelt im Gebüsch. „Da Löwen“. Es sind fünf oder sechs. Sie liegen in der abendlichen Sonne. Ihr Essen liegt daneben. Ein Kadaver. Satt und zufrieden aalen sie sich im Gras. Scheinbar stören wir sie nicht. Prinz Charles fährt näher, keine zehn Meter sind sie von uns entfernt. Uns stockt der Atem. Wahnsinn. Ganz erstarrt von diesem Erlebnis kehren wir in unser Bambushaus zurück.

Sonnenuntergang im Krüger

Der nächste Morgen. Es ist kein Wecker, der uns wach macht. Komische Geräusche sind nicht weit entfernt. Plötzlich raschelt es an unserem Haus. Die Geräusche werden lauter. Das Rascheln auch. Sie hämmern gegen die Tür und kreischen. Irgendjemand oder irgendetwas will unser Haus eindringen. Nur was! Wir haben keinen eingeladen. Ich habe ein bisschen Angst. Ranger Björn geht vor die Tür. Es sind freche Affen, die sich dann blitzartig aus dem Staub machen.
Unsere Safari geht weiter. Wieder sehen wir Giraffen, Zebras und Antilopen. Jetzt auch ein paar Gnus. Eine Delikatesse übrigens für viele Tiere hier im Krügerpark. Leider sind diese Gnus auch ein bisschen dämlich. Wird ein Tier in der Herde gefressen, rennen sie nicht weg. Nach ein paar Metern drehen sie wieder um, um nach ihrem Freund zu schauen. Ein fataler Fehler!
In der Ferne sehen wir einen einsamen Elefanten. Die Straße wird auf einmal holpriger. Mit dem Jeep fahren wir durch tiefe Pfützen, was für ein Abenteuer. Unser Ranger entdeckt frische Nashorn-Spuren und Kacke. Wir halten gespannt Ausschau. Und da – zwei Nashörner. Prinz Charles sorgt für Stille im Jeep. Wir beobachten diese massiven „Urtiere“ aus der Nähe. Bis zu 3000 Kilo können sie schwer werden und das Horn wird bis zu 3,5 Meter lang. Wir beobachten, wie ein dämliches Gnu Hallo sagen will. Ein kurzen Stampfen und Schnaufen und das Gnu rennt und ist über alle Berge verschwunden. Was für ein Finale. Das ist Afrika! Betäubt und mit tausend Tiereindrücken geht es am nächsten Tag zurück nach Johannesburg.
Fortsetzung folgt.



Diese Urtiere können bis zu 50 km/h schnell werden