Irgendwie sind hier die Wochenenden so ganz anders. Es ist Samstag. Ich krieche aus dem Bett und spaziere mit Milo an den Strand. Kinder lassen ihre Drachen steigen, ein verliebtes Pärchen picknickt in den Dünen, die ganz Sportlichen traben über den Strand oder kiten in den Wellen. Ich werfe Steine ins Meer, sammle Muscheln und halte ab und zu diesen üblichen Hunde-Herrchen-Plausch: Und wie heißt denn ihr Hund? Was ist er denn für eine Rasse? Ach der ist aber süüüüß ...

Ein Regen formt sich über den Atlantik
Unser Wochenendausflug heißt Hermanus, eine kleine Küstenstadt zwei Stunden von Kapstadt entfernt. Wir fahren an der schroffen Küste entlang. Die Sonne versucht sich durch die Wolken zu boxen und das Meer donnert gewaltig gegen die Felsen. Die Gischt steigt meterweise hoch und dahinter entsteht ein wunderbarer Regenbogen. Was für ein Naturschauspiel. Wir stoppen und staunen, bis wir irgendwann in Hermanus ankommen. Diese kleine Hafenstadt bekommt zwischen Juli und Oktober gewaltigen Besuch. Denn Hunderte Wale kommen aus den 8000 km eiskalten Antarktis-Gewässern zurück, um in der Bucht fleißig Nachwuchs zu produzieren. Man munkelt sogar, dass Hermanus der beste Ort zum Wale gucken sein soll. Nun gut, als wir auf das Meer schauen, halten die Wale vermutlich gerade Mittagsschlaf oder ein Unterwasser-Pläuschchen.

Es ist stürmisch in Hermanus
Kein einziger Wal weit und breit. Dabei sind diese Säugetiere doch so riesig – die so genannten Giganten der Meere. Wir warten, trinken Kaffee und laufen wenig motivierend wieder zur Bucht. Die See ist stürmisch, doch dann die Flosse. Endlich! Ein Right Whale. Der Name stammt von seinen ehemaligen Jägern: Er war der richtige Wal zum Töten, da er langsam schwamm und dadurch leichte zu harpunieren war und zudem nach seinem Tod nicht unterging sondern auf der Wasseroberfläche trieb.

Endlich! Ein Wal in der Bucht
Dieser jedenfalls war lebendig, er schießt rückwärts aus dem Wasser und seine Flosse klatscht gewaltig auf die Wasseroberfläche – eine Art der Kommunikation, manchmal auch ein Zeichen von Aggressivität. Endlich! Wir sitzen einfach da. Er kommt näher. Der Wind fegt uns um die Ohren und wir sind glücklich. In Kapstadt zurück finden wir ein schönes mosambikanisches Restaurant und begießen die erfolgreiche Walbeobachtung.
Es ist Sonntag, die Sonne brennt im Winter und in Stellenbosch ist das alljährliche Weinfestival. Aus mehr als 500 edlen Topfen probieren und das mitten in den Weinbergen. Also nichts wie hin! Stellenbosch gehört wirklich zu meinen Lieblingsorten. Die Weinmetropole mit ihrer entzückenden holländischen Bilderbuch-Architektur, den mächtigen Eichen, wunderschön angelegten Rosenbeeten, Kräutergärten und dann sind da die überall Studenten, die frischen Wind in den kleinen Ort bringen.

Willkommen auf dem Stellebosch Weinfestival
Das Festival findet vor perfekter Kulisse statt. Zwei große weiße Zelte stehen auf einer Wiese und im Hintergrund die hügelige, üppige Landschaft mit ihren Weinbergen und den malerischen Gutshäusern. Es kann losgehen. Wir schlendern von Stand zu Stand – hier mal ein fruchtiger Chardonnay, da mal ein Sauvignon blanc und zwischendurch ein Chenin blanc. Es geht weiter mit Pinotage von dem Weingut Kaapzicht und Saxenburg, eine Rebsorte die nur in Südafrika gedeiht.

Ein kleine Pause während der Weinprobe
Diese rote Rebsorte ist eine südafrikanische Neuzüchtung zwischen Pinot Noir und Cinsaut erlebt gerade eine Renaissance. Plötzlich kommt der Wein in Mode. Einige Weingüter produzieren aus der Rebsorte sogar Spitzenweine. Wir probieren weiter, zwischendurch tunken wir Ciabatta Brot in köstliches Olivenöl oder lassen den frischen Ziegenkäse auf der Zunge zergehen. Wir sitzen auf der Wiese, das Weinglas ist gut gefüllt. Es ist Sonntag – uns geht es gut. Die Woche kann beginnen.

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