Sonntag, 17. Juni 2007

Der Trip meines Lebens Teil 2

Mit dem Mokoro durch das Okvango-Delta, Flusspferde hautnah und warum die Victoriafälle ein absoluter Adrenalinkick sind

Wir verlassen das Paradies Etosha und fahren weiter Richtung Norden bis zur angolanischen Grenze.

Unser Truck in der Etosha-Salzpfanne


Jule in der Etosha-Salzpanne

Die Landschaft wird immer karger, die Häuser am Straßenrand bestehen aus Stroh und Lehm. Die Weite in dieser Steppe, das ist einfach Afrika.
Unser Camp ist beschaulich direkt am Fluss. Würden wir durch den Fluss schwimmen, wären wir in Angola. Hier in Rundo bleiben wir zwei Nächte, endlich mal kein Zelt abbauen und mal Zeit viel zu schlafen, zu lesen und darüber nachzudenken, was man eigentlich schon alles in dieser kurzen Zeit erlebt hat. Ich habe irgendwie das Gefühl, ich wäre schon ewig „on the road“.



Jule im Chobe-Nationalpark mit Elefanten im Hintergrund

Unser Trip führt uns weiter nach Botswana. Es ist komisch. An der Grenze müssen wir unsere Schuhe wegen der Maul- und Klauenseuche reinigen. Na ja, wenn es hilft ...

Vorbereitung für das Delta

Unser Ziel ist das Okavango-Delta. Der 1700 Kilometer lange Okavango entspringt im Hochland Angolas, trennt Angola von Namibia und kommt schließlich in Botswana an. Während der Regenmonate November bis April schwillt er zu einem mächtigen Strom an, der etwa im März das Delta überflutet. Eine Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins verwandelt sich so jährlich in ein Natur-Eldorado. Fast alle Tierarten des Kontinents tummeln sich hier: Elefanten, Flusspferde, Löwen, Wildhunde, Kudus ...


Willkommen im Ovkavango-Delta

Aufgrund des hohen Wasserstandes war es natürlich nicht so leicht zu unserem Camp im Delta zu kommen. Erst mit einem Allradauto, dann mit einem Motorboot, dann wieder mit einem Allradauto erreichen wir unser Camp irgendwo im Delta. Am nächsten Morgen beginnt das Abenteuer. Zunächst heißt es Platz nehmen im Mokoro, einem vier Meter langen ausgehöhlten Baumstamm, deren Bootsrand gerade mal 2 cm über der Wasseroberfläche liegt. Immer zwei Leute sitzen in diesem Einbaum. Ähnlich wie im Spreewald oder auch in Venedig bewegt man sich mit einem langen Stab fort. Unser Fahrer fährt uns sanft durch das Dickicht des Deltas. Es ist still. Wie in einem Labyrinth schlängeln wir uns durch das hohe Gras, vorbei an Papyrus, das wirklich lecker schmeckt, und hören plötzlich ein merkwürdiges Grunzen. Es sind Flusspferde.


Jule beobachtet Flusspferde

Diese scheinbar trägen Tiere sind nur ca. 50 Meter von uns entfernt. Sie tauchen auf und wieder ab, fressen, grunzen und dann verschwinden sie irgendwann. Die Sonne geht langsam unter und wir erreichen unser nächstes Camp.



Jule im Mokoro

Am nächsten Tag steht eine Wanderung auf eine der vielen Inseln auf dem Plan. Und was ist das Besondere? Hier leben die Tiere wirklich in freier Wildbahn. Und deshalb gibt es eine Belehrung von unserem Guide. Was müssen wir tun, wenn wir einen Löwen sehen? Wir verhalten wir uns, wenn wir auf Elefanten treffen? Meinte er das wirklich ernst? Ja! Und deshalb steigt das Adrenalin mit jedem Schritt. Wir schleichen uns durch das Dickicht auf der Suche nach den Tieren. Irgendwie will ich gar keine Tiere sehen. Doch plötzlich sehen wir frische Elefantenkacke. Oh Gott, sie sind nah und wir sitzen nicht geschützt in einem Truck. Wie am Anfang besprochen, stellen wir uns die Richtung, wo uns die Elefanten durch den Wind nicht riechen können und wir beobachten diese mindestens 15 Dickhäuter. Ich muss sagen irgendwie war ich am Ende froh, keinen Löwen getroffen zu haben.

Wir verabschieden uns vom Delta und fahren weiter in den Chobe-Nationalpark. Und wieder ganz viele Tiere. Bei einer Bootstour haben wir viele Elefanten, Büffel, Krokodile, Affen und einen traumhaften Sonnenuntergang gesehen. Nach so viel Natur pur war es ganz schön komisch in der Stadt Vic. Falls anzukommen. Simbabwe wird ja leider bekanntlich von Mugabe regiert und ruiniert. Simbabwe hat zurzeit die höchste Inflationsrate der Welt. Im Mai hat sie ca. 3700 Prozent erreicht. Prompt wurden wir alle Millionäre.

Schon von weitem sieht man und hört man den gewaltigen Wasserfall. Der Sprühnebel des Wasserfalls steigt bis zu 300 Meter auf und ist daher noch in 30 km Entfernung zu sehen. Die Viktoriafälle sind mit einer Breite von 1708 Metern der längste einheitlich herabstürzende Wasserfall der Erde.


Die Victoria Fälle - ein absolutes Naturereignis

Ich betrete den Nationalpark und gehe durch das dschungelartige Dickicht. Der Wasserfall ist einfach nur laut, ohne ihn schon gesehen zu haben, werde ich nass. Und dann! Vor mir plötzlich dieses unglaubliche Naturereignis. Mein Atem stockt, das Adrenalin steigt. So gewaltig habe ich mir es nicht vorgestellt. Ich gehe ganz nah ran und sehe die Wassermengen herabstürzen. Gigantisch! Überall bilden sich Regenbogen. Ich laufe weiter und werde klitschnass. Egal! Ein unvergesslicher Moment.
Am Abend gibt es in einem Hotel dann ein Abschluss-Buffet, schließlich ist es für die meisten der letzte Abend. Ich stürze mich auf das Essen und futtere mich durch die afrikanischen Köstlichkeiten, ich habe sogar ein Warzenschein auf meinem Teller liegen.



Am nächsten Morgen gehe ich mit den übrig gebliebenen Gästen zur Brücke, die Simbabwe und Sambia voneinander trennt. Einige wollen unbedingt Bungee jumping. Gut sollen sie doch machen! Sollen sie sich doch 111 Metern in die Victoriafälle stürzen. Mit einem der höchsten Sprünge der Welt ist der Anblick schon ausreichend für einen Adrenalin- Kick. Denke ich! Bis Wessel mein Tourguide kommt. Und er redet und redet, bis ich plötzlich in voller Montur in 111 Metern Höhe auf dieser Brücke stehe. Ich wollte doch gar nicht, doch jetzt gibt es kein zurück mehr. Ich stehe an diesem Gitter, meine Füße fest verschnürt. Meine Zehen umklammern das Gitter, ich schaue nicht runter, ich höre den Vic. Falls und schaue in die Weite, bloß nicht nach unten. Scheiße! Ich habe richtig Angst. Jetzt muss ich sie überwinden. Auf der Brücke sehe ich noch Wessel und die anderen. Und dann auf einmal höre ich ganz schnell nur: Three, two, one, bungggeeeeeee! Und ich springe, äh ich fliege und ich schreie so laut ich kann. Ich habe das Gefühl, es vergehen Minuten bis ich unten den Fluss kopfüber erreiche. Dieser freie Fall ist unglaublich. Ich schnelle nach oben, dann geht’s wieder runter. Wie ein JoJo- hoch und runter hoch und runter. Ich bin benebelt und betäubt. Es ist ein krönender Abschluss, aber ich werde es nie wieder machen!
Hier endet zwar die Afrika-Tour, der Wunsch den Kontinent noch weiter zu entdecken, ist jetzt umso größer und deshalb gibt es bestimmt bald eine Fortsetzung.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

> Doch plötzlich sehen wir frische Elefantenkacke...

Ach, ich liebe diesen Blog. Diese direkte Sprache. Jeder weiß sofort was gemeint ist... :D

Gruß von Knut

Anonym hat gesagt…

Du bist verrückt mein Kind... ;)

Anonym hat gesagt…

hey liebe jule,

vielen vielen dank für die lieben geburtztachsgrüße! von soweit weg hatte ich das noch nie ;-))
danken scheen!

*drüück*

der olle olli

Die Dörte hat gesagt…

...ick flipp aus...bist du irre, oder wat?...
ick meine n bisserl ja sowieso, aber 111 Meter vonner Brücke?...*kopfschüttel*

Es ist eine wahre Freude deine Texte zu lesen und man kriegt quasi direkt vorm PC ne Mega-Gänsehaut...

Sei ganz doll gedrückt und ick hoffe, dass wird bald unter Skypetelefonat hinkriegen=)

Dicke Knutschaaas aus Berlin-City