Freitag, 1. Juni 2007

Der Trip meines Lebens Teil 1

Spaghetti am zweitgrößten Canyon der Welt, Sonnenaufgang in der Wüste, ein Abstecher nach Deutschland und Löwen hautnah


Die große Reise beginnt: Sonntag halb sieben, die Sonne kriecht gerade über die Berge, leichte Wolken liegen auf dem Tafelberg. Kapstadt schläft noch. Ich leider nicht mehr. Sieben Uhr Abfahrt in Kapstadt. Meine Mitbewohnerin steckt mir noch eine Taschenlampe und einen Sonnenhut zu und dann stehe ich da: am Treffpunkt. Alles geht sehr schnell. Ich werde als Crew-Mitglied vorgestellt, lerne meinen Tourguide mit dem Namen Wessel kennen und erkunde den riesigen gelben Truck, der demnächst mein Zuhause sein wird. Plötzlich sitze ich schon in diesem Truck mit acht Gästen. Na gut, es kann losgehen!


Jule am Fish Canyon River

Der Weg geht Richtung Norden entlang der Küste. Gegen Mittag haben wir nach ca. 200 Kilometern die erste Etappe erreicht. Die Cederberge! Bekannt ist dieses Gebiet für eine sagenhafte und atemberaubende Landschaft, aufgrund ihrer Felsformationen und der endlosen Orangen und -Zitrusplantagen. Im Camp gibt es zunächst die üblichen Kennenlernspielchen und eine kurze Einführung, wie man das Zelt ab- und aufbaut, wie funktioniert der Truck, welche Regeln es gibt und wie verlaufen die nächsten Tage. Und was ist jetzt mein Job? Übersetzen und Wessel zur Seite stehen beim Kochen, Einkaufen, Zelte abbauen und und und.



Unser Truck irgendwo in Namibia



Die Reise führt uns ganz früh weiter an die Namibianische Grenze an den Orange River, der die beiden Länder voneinander trennt. Hier darf eine Kanutour auf dem Fluss natürlich nicht fehlen. Leider habe ich mit meinem Partner ein wenig Pech. Mein japanischer Begleiter ist noch nie gepaddelt und so hatte er arge Schwierigkeiten zu lenken. Wir haben uns mit diesem Boot ständig im Kreis gedreht und das bei Strömung und Stromschnellen.
Weiter geht die Reise nach Namibia. Nächstes Ziel: Der Fish River Canyon, der zweitgrößte Canyon der Welt, mit einer Länge von etwa 160 km, einer Breite von bis zu 27 km und einer Tiefe bis zu 550 Metern. Hier direkt am Canyon bereitet Wessel köstliche Spaghetti Bolognese zu. Unter einem funkelnden Sternenhimmel, direkt am Canyon schlürfe ich die köstlichen Spaghetti und begreife in diesem Moment, dass ich gerade den schönsten Sternenhimmel meines Lebens sehe.

Jule auf der Düne nach dem Sonnenaufgang

Der Reise führt uns weiter Richtung Norden nach Sossusvlei in die Namibwüste. Bekannt ist die Namib für ihre Sandünen, die je nach Jahreszeit ihre Richtung ändern. Die Düne 7 ist mit über 350 Metern die höchste Sanddüne der Welt. Es ist kurz nach 5 Uhr als ich eine der Dünen in der Morgendämmerung hinaufsteige. Ringsherum erheben sich weitere mächtige rote Dünen. Als die Sonne plötzlich hinter den Dünen empor steigt, verwandelt sich die Namib in eine atemberaubende leuchtend funkelnde Wüste – ein Augenblick, in den man gern mal Pipi in den Augen hat.


Die Namibwüste

Wir verlassen die rote Wüste und fahren weiter Richtung Norden nach Spitzkoppe bis zur Küstenstadt Swakopmund. Oder soll ich sagen: Willkommen in Deutschland? Ja, in Swakopmund weht noch ein Hauch Kolonialgeschichte. Wie wäre es mit Nürnberger Würstchen, Haribo und Schwarzwälder Kirschtorte? Man spricht deutsch! Überall! „Guten Tag, kann ich Ihnen weiterhelfen? Komisches Gefühl! Ich erkunde die Stadt bei nicht so deutschen Temperaturen von 42 Grad. Ich sehe das „Amtsgericht“, den „Kristall-Palast“ oder das „Hohenzollernhaus“. So ein wenig Zivilisation tut schon mal ganz gut.


Gescheitert beim Quadbiking

Und aktiv wollte ich sein mit Quadbiking. Hört sich doch ganz cool an. Dachte ich! Vorsichtig habe ich mir das vollautomatische Quadbike ausgesucht, doch es hat alles nichts genützt. Mit meinem miserablen Fahrstil kam ich weder die Dünen hoch, noch konnte ich die Route einhalten. Ich blieb in den Dünen stecken, bis mir mein Guide anriet, die Tour aufzugeben und das Quad in den Dünen stehen zu lassen. Schließlich bin ich doch eine Behinderung für die gesamte Gruppe. Ich bin gescheitert und bin dann ganz verschämt bei dem Guide mitgefahren.

Nach meinem Besuch in Deutschland geht es für drei Tage in den Etosha-Nationalpark. "Etosha" bedeutet „der große weiße Platz", was sich auf die Etosha-Pfanne bezieht, jenen ausgetrockneten Salzsee. Etosha ist mit 22.270 Quadratkilometern so groß wie Hessen. Mit unserem Truck fahren wir langsam zu unserem Camp und schon auf dem Weg sehen wir Giraffen, Zebras und Antilopen. Einfach so und so nah. Ich muss auch im Camp auf die Tiere nicht verzichten. Am Abend schnappe ich mir ein kühles Bier und setze mich an die beleuchtete Wasserstelle. Manchmal passiert nichts und ich warte und warte. Doch dann plötzlich taucht ein Nashorn auf und schlürft aus dem See, Zebras geben sich ein Stelldichein. Stunden kann ich auf die Wasserstelle schauen. Es ist wie ein Kionfilm und ich bin der Besucher. Nur hat dieser Film meist Überlänge.

Löwen im Etosha

Früh geht es mit dem Truck auf Safari und wir hatten das Glück auf unserer Seite. Sieben Löwen liegen friedlich im Gras am Straßenrand. Sie sonnen sich, langweilen sich oder schlafen in der frühen Morgensonne. Es sind keine fünf Meter und mein Herz beginnt laut zu pochen und das Adrenalin steigt. Ich kann mich nicht mehr satt sehen auf dem Weg: Giraffen, Kudus und Antilopen, Zebras und Impalas. So viel Tiere in so kurzer Zeit – Wahnsinn!


Zebras im Etosha

Fortsetzung folgt ...

3 Kommentare:

Nadja hat gesagt…

COOOOL!

Schön, wieder Nachricht von dir zu haben! Bilder sind toll, nur wo ist denn der Fluss bei dem Canyon?
Ich freu mich schon auf die Fortsetzung und natürlich auf ein Skype Treffen!

Hab eine super Zeit mit Björn, grüß ganz lieb.
Und einen spannenden ersten Arbeitstag heute.

ICh knutsch dich,
deine Nadja

Anonym hat gesagt…

.... auch ich habe Pipi in den Augen.... oh man - der pure Wahnsinn, was Du erlebt hast. Für eine Großstadtpflanze, die noch nie über die europäischen Grenzen hinausgekommen ist, kaum vorstellbar. Ich freu mich schon auf den 2. Teil und bis dahin drück ich Dich ganz doll. Unser gestriges Skypetelefonat war irre und ich freu mich schon jetzt auf mehr ... am telefon und im blog... Tausend Knutschas und ein lieben Gruß an Björni. Genießt Eure Zeit!!! Deine Anne

Michael Späth hat gesagt…

Eifersucht lass nach!