Samstag, 5. Mai 2007

Wie ich zum Rugbyfan wurde, Seeed in Kapstadt und der Trip meines Lebens

Fakt ist: Südafrika ist Gastgeber der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Fakt ist auch: In Südafrika ist das Fußballfieber noch nicht ausgebrochen und Fakt ist, dass erst jetzt das alte Stadion in Kapstadt abgerissen wurde. Die Zeit rennt! In drei Jahren muss dort ein schickes nach FIFA Regeln erbautes Stadion stehen. Und weil sich hier (noch) keiner für Fußball interessiert, und wenn nur in britischen Kneipen zum gemeinsamen Champions-League schauen, habe ich versucht, mich für die Nationalsportarten zu interessieren. Und das sind: Cricket und Rugby. Cricket ist entsetzlich langweilig, ein Spiel kann einen Nachmittag beginnen, gern aber auch mal mehrere Tage. Wer hat diese Zeit? Und dann habe ich bei den ganzen pitchs, creases und wickets irgendwie nicht mehr durchgesehen. Blieb nur noch Rugby! Meine Mitbewohnerin und ich kauften uns Tickets für das Spiel Stormes (Südafrika) vs. Reds (New Zealand). In dieser Serie spielen die 14 besten Teams der südlichen Hemisphäre gegeneinander – eine Art Chamipons-League eben. Und ich kann sagen: Rugby ist leichter zu verstehen, ist spannend und einfach nur urkomisch, wenn diese Schränke über den Platz rennen, sich zu Boden ziehen und übereinander werfen.


Das Rugbyspiel im Newlands Stadium in Kapstadt

In Kapstadt habe ich an diesem Wochenende mal fleißig meine Hüften geschwungen und siehe da – Berlin ist manchmal gar nicht weit weg. Denn in diesem hippen, coolen Club mit Dachterrasse gibt Plüschsofas und jede Menge „mitteähnliche“ Jungs und Mädels. Die Männer mit langen schmierigen Haaren in Adidas-Trainingsjacke und die Mädels mit komischer Playmobil-Frisur und Leggins unter dem gepunkteten Rock. Und plötzlich lief Seeed über die Plattenspieler - hier in Kapstadt. Ja liebe Anni, liebe Dörti, die singenden Caballeros. Die Stimmung in dem Laden kann ich mit den Worten von Pierre Baigorry von Seeed wiedergeben:
„Wir sind so 'ne rollende Disco. Wir reiten in deine Stadt, und wenn wir spielen, dann muss einfach die Kuh fliegen.“



Im Juni fange ich endlich bei Lufthansa an. Bleibt mir noch genau ein Monat. Und dieser Monat Mai wird zu einer einzigen Wonne. Denn ich darf eine Reisegruppe als Übersetzter nach Namibia, Botswana und Simbabwe bis hin zu den Victoriafällen begleiteten. Afrika pur und ein Traum geht in Erfüllung: Kanu fahren im Fish River Canyon, dem zweit größten Canyon der Welt, Sandboarding in der roten Wüste, ein Besuch der Himba Stämme, Safari im Etosha National Park, paddeln im Okavango Delta und der krönende Abschluss sind die Victoriafälle, auf einer Breite von fast 1.700 Metern, bis zu 108 Meter tief in eine nur etwa 50 Meter breite Schlucht. Das wird sicherlich der Trip meines Lebens.



Jule auf dem Lions Head



Milo mit Jule am Strand