Mittwoch, 23. Januar 2008

Stromausfall am Kap Bergungsdrama am Tafelberg: Als die Gondel plötzlich stecken blieb

Seit mehr als zwei Wochen gehören Stromausfälle hier zur Normalität. Zack! Duster! Aus! Und das mehrmals täglich!
Grund ist angeblich das starke Wirtschaftswachstum und der damit steigende Elektrizitätsbedarf. Der nationale Stromversorger Eskom hat in den vergangenen Tagen mehrfach in Teilen des Landes den Strom abgeschaltet, um einen vollständigen Blackout zu vermeiden – nur leider ohne Vorankündigung.

Die Gondel am Tafelberg - als noch alles in Ordnung war
Es ist ja auch irgendwie romantisch – mal so ohne Strom zu sein. Nicht aber, wer sich zu diesem Zeitpunkt in der Gondel des Tafelberges befindet. Als gegen 20 Uhr am vergangenen Montagabend die Lichter in Kapstadt ausgingen, stoppte auch abrupt die Gondel am Tafelberg. Knapp hundert Passagiere saßen fest – unter ihnen eine Stadt im Dunkeln und der tiefe Abgrund. Dazu ein Wind, der in dieser Jahreszeit ordentlich durch die Stadt fegt.
Zwar sprang der Notgenerator an, doch durch einen Fehlmechanismus blieb die eine Gondel genau vor der Bergstation stecken und die andere Seilbahn konnte im Tal nicht andocken. Die rund 40 Passagiere der unteren Gondel mussten die vier Meter bis zum Boden abgeseilt werden. Die Insassen der oberen Gondel verließen nach etwa zwei Stunden mit Hilfe von Rettungskräften über das Dach die Seilbahn. Rund 900 weitere Touristen mussten auf dem Gipfel ausharren und konnten vermutlich nicht mehr die eigentlich so malerische Aussicht auf 1085 Metern genießen. Letztlich wurde niemand verletzt.

Mein Vorschlag ist das Wahrzeichen Kapstadts zu besteigen und auf die seit 1929 existierende und 1997 erneuerte Schweizer Seilbahn zu verzichten. Je nach Kondition dauert der Aufstieg zwischen zwei und drei Stunden – jedoch nicht unbedingt in den Sommermonaten. Oftmals ist dann die Sicht schlecht und der Weg zum Kraxeln kann gefährlich nass sein. Denn feuchte Luftmassen, die vom Meer Richtung Tafelberg strömen, bilden häufig das so genannte „Tablecloth” („Tischtuch“). Es bilden sich Wolken, die regelrecht am Tafelberg kleben bleiben. An den Nord- und Westhängen des Berges macht sich hingegen ein trockenwarmer Fallwind bemerkbar – vergleichbar mit dem Föhn in den Alpen.


Der Tafelberg, die Touristenattraktion Nr 1
Für Geologen ist der Tafelberg ein Paradies. Der ach so majestätische Berg ist nämlich rund 600 Millionen Jahre alt und war ungefähr fünfmal so hoch wie heute. Sein heutiges Aussehen verdankt er der Wind- und Wassererosion. Durch Spalten und Risse im Sandstein konnte Wasser eindringen und den Fels aushöhlen. Dadurch entstanden die größten Sandsteinhöhlen der Welt. Also der Berg ruft!

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Als der himmelblaue Pool plötzlich zum Tümpel wurde

Wenn ich morgens verschlafend die Gardinen aufziehe, strahlt er mich an. Himmelblau leuchtet er mir entgegen, die Sonne funkelt auf die Oberfläche, der kleine Wasserfall plätschert. Jetzt rein. Ich trete auf die Terrasse, strecke mich und dann ... Arschbombe. Der Tag kann beginnen.


Nadja und Jule am Morgen

Doch dieser kleine himmelblaue Pool aus Naturstein ist eine kleine Diva. Kümmert man sich nicht regelmäßig um ihn, ist er beleidigt. Dann stinkt er und wird grün. Besonders wenn der Staubsauger schlapp macht. Plötzlich hat der kleine Wasserroboter, die ferngesteuerte Krake keine Lust mehr irgendwelche Bakterien, Haare und Algen aufzusaugen. Er liegt reglos im Pool. Kein fröhliches Aufsagen mehr von Fliese zu Fliese.
Mal ehrlich, im Leben hätte ich nicht gedacht, zum Poolexperten zu werden. Letztens habe ich mich erwischt, wie ich meinen Nachbarn mit Poolfragen durchlöcherte: Und welches Mittel nimmst du für den erhöhten Alkalitätswert und wie oft soll ich einen Backwash machen. Und das alles, damit die Badefreude nicht ungetrübt bleibt und der Pool nicht zum feuchten Algen-Biotop mutiert. Warum frage ich eigentlich nicht nach einem Kuchenrezept oder ob ich mir mal Zucker ausleihen kann.



Als am Pool noch alles in Ordnung war

Aber interessant ist es ja dann doch. Erinnerungen aus dem Chemieunterreicht werden wieder wach. Der ph-Wert war doch der Messwert von Basen und Säuren. Ach ja! Beim ph-Wert 7 ist das Wasser neutral. Dramatisch ist eine kurzfristige Abweichung aber auch nicht. Bier mit einem pH-Wert von 3-4 zum Beispiel, Iässt sich bekanntlich ohne Schwierigkeiten trinken. Zumindest meistens!
Bei einem zu langem niedrigen pH-Wert wird Wasser aggressiv. Es verursacht Korrosion, so z.B. an Rohren und Filteranlagen. Bei einem zu hohen pH-Wert wird die Wirkung des Chlors stark reduziert. Sprich: Das Wasser wird grün. Und was ist bitteschön Alkalität? Die Gesamt-Alkalität dämpft pH-Wert-Veränderungen. Je niedriger die Gesamt-Alkalität ist, desto leichter kann man den pH-Wert verändern, indem man dem Wasser eine Säure oder eine Base zufügt. Je höher die Gesamt-Alkalität ist, desto schwerer ist es, Veränderungen des pH-Wertes herbeizuführen. Aha!


Trauen sie sich oder nicht?

Es ist Samstag. Die Sonne brennt. Im Haus laufen große Vorbereitungen. Eine echte Poolparty mit Erdbeerbowle, gefüllten Eiern und Kartoffelsalat steht an. Es kommen viele, sehr viele. Nur was macht der himmelblaue Pool. Er zickt. Tagelanges Zureden hat nichts genützt. Er ist ein Tümpel, ein grüner oller Teich, er gammelt vor sich hin. Fehlen nur ein paar Forellen und wir können eine Forellenzucht gründen. Ausgerechnet jetzt. Egal sagen wir, sagen die Gäste. Was solls! Wir planschen, grillen, trinken, tanzen und feiern. Die Welt ist in Ordnung – egal ob grün oder blau.

Jule sogar mit Baby Mias im Pool

Dienstag, 27. November 2007

Route 62 – die Straße der Glückseligkeit

Auch Stadtkinder müssen mal raus in die Natur, in die Einsamkeit, einfach mal abschalten und tief durchatmen. Und das machen wir. Einen kleinen Ausflug entlang der Route 62 mit dem Ziel Outshoorn, also irgendwo in der Pampa im Western Cape.
Nadja und ich fahren zunächst ins Weinmekka nach Stellenbosch. Auf einer Weinfarm bewohnen wir eine Suite. Ja eine Suite. Mit Kamin. Terrasse mit Blick in die Weinberge, Lounge und ein Badezimmer, in dem man Fußball spielen kann.


Blick von der Terrasse auf die Weinberge und den Golfplatz


Doch Luxus hin oder her, wir mögen es einfach. Wir schnappen uns eine Decke, eine Flasche Rotwein, ein Schweizer Taschenmesser und stiefeln in die Weinberge. Die Sonne ist schon längst untergegangen, dafür funkelt uns ein Meer von Sternen entgegen. Die Welt ist Ordnung. Wir sehen Sternschnuppen vorbeiziehen. Na gut. Ich sehe sie. Nadja schaut immer in die falsche Richtung. Es ist der perfekte Ort für Wein und die beste Freundin.
Der nächste Tag. Wir kriechen aus unserem Prinzessinnen-Bett, die Morgensonne lässt die Weinberge erstrahlen. Wir atmen tief ein, jetzt kann die Reise weiter gehen. Ziel ist die berühmte Route 62 – eine der schönsten Straßen Südafrikas. Der Name erinnert natürlich an die legendäre Route 66, der Highway, der Chicago mit San Francisco verbindet und die Route 62 ist eben die südafrikanische Version.


Stadtkinder on the road

Die Straße ist einsam, kaum Autos, kaum Dörfer, einfach nur Weite. Die Strasse schlängelt sich durch die karge Klein Karoo. Fast wüstenartig und dann wieder fruchtbarer Täler, vorbei an riesigen Schluchten und schroffen Felsen. Wir stehen mitten auf der Straße. Irgendwo sieht man Kakteen und ulkige Felsformationen und der Horizont scheint unendlich weit weg zu sein. Wir fühlen uns wie in einem Roadmovie. Die Fenster kurbeln wir nach unten und wir trällern von Grace jones „I need a man“.


Irdendwo in der Pampa

Unser erster Stopp heißt Barrydale. Ein kleines verschlafenes Örtchen irgendwo in der Karoo zwischen Pfirsich-, Apfel- und Birnenplantagen. Wir entdecken ein kleines Café. Ganz gemütlich und so still, der Garten ist ein Paradies. Ein Meer aus bunten Blumen, das Efeu rankt am Haus empor, schöner kann ein Frühstücksambiente nicht sein. Die Fahrt geht weiter. Immer öfter sehen wir Strauße – wir merken, wir kommen der Straußenstadt Oudtshoorn immer näher. Damals um 1880 waren Damen aus Europa und Amerika ganz scharf auf bunt gefärbte Federboas und die kleine Karoo Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Boom. Und mit diesem Boom wurden aus schlichten Farmen wahrhafte Paläste, die man noch heute sehen kann. Auch wenn die Zeiten der Federboas vorbei sind, steht Oudtshoorn immer noch ganz im Zeichen des Riesenvogels. Überall Straussenfarmen, in den Supermärkten gibt es Straußeneier und Straußenstaubwedel zu kaufen und natürlich das saftige Straußensteak.


Uns gehört die Welt

Wir durchqueren die Stadt, fahren weiter, biegen irgendwo ab und holpern mit unserem Auto über die Schotterstraße. Mitten in der Pampa, umgeben von Bergen, Farmen und purer Natur, befindet sich unsere Unterkunft, die Tabelhi Lodge – eine wahre Perle in der Karoo. Da ist Ken, der Besitzer, er will, dass wir entspannen, es gibt erst einmal frisch gepressten Saft. Hier sind wir Prinzessinnen. Wir bekommen das schönste Haus. Ach, was für ein Haus. Ein Haus, das in die Natur passt. Es erinnert ein wenig an die Herberge von Familie Feuerstein, aber eben eine Luxusversion. Wir sind im Paradies. Wir liegen im Jacuzzi und beobachten, wie die Sonne die Berge rot einfärbt. Wunderbar. Wir werden verwöhnt mit einem 3 Gänge Menü – Haute Cuisine. Der perfekte Abschluss ist das Dessert. Ein Genuss für die Sinne – der Koch ist ein Zauberer, ein Künstler.


Auf Willie ist Verlass

Der nächste Morgen. Es ist früh. Sieben Uhr. Wir besuchen die Kühe, sie wollen gemolken werden. Für Stadtkinder – ein großartiges Erlebnis. Lenny, der Farmbesitzer, nimmt uns mit. Er zeigt uns seine Farm. Wir sehen kleine Fohlen, Küken, die gerade aus dem Ei kriechen wollen, Gänse, die wir einfangen müssen, kleine und große Strauße. Ein Tag auf dem Bauernhof. Es ist Zeit, Kapstadt ruft. Wir fahren zurück entlang der Küste. Der Indische Ozean funkelt uns an. Wir stoppen, rennen zum Strand und stürzen uns in die Wellen. Ein rosafarbener Seestern leuchtet neben uns. Einfach so. Wir lassen die Strasse der Glückseiligkeit hinter uns. Schon von weitem sehen wir den mächtigen Tafelberg. Ach, es ist schön, wieder zu Hause zu sein.

Montag, 26. November 2007

Verliebt in Goldfische

Ich höre gern Musik. Ich singe laut im Auto oder unter der Dusche. Oft vergesse ich den Text und noch viel öfter den Interpreten. Ich verstehe nicht viel von Musik – ich mag sie oder eben nicht. Ich mag Seeed, die Chili Peppers, aber auch Udo Jürgens. In meine kleine musikalische Diskographie reihen sich jetzt noch Goldfische ein.

Sonntagabend in Camps Bay. Wir sind im „Ignite“ – ein schicker Club an der Strandpromenade. Auf der Terrasse beobachte ich die Sonne, die glutrot in das Meer eintaucht und sehe, wie der Wind über den Strand fegt. Die Dämmerung bricht an und der Laden füllt sich langsam - Café del Mar Atmosphäre auf afrikanisch. Man lümmelt auf schicken Hockern, schlürft Cuba Libre und schaut sehnsüchtig aufs Meer. Fehlt eigentlich nur noch diese chillige Musik, die doch dazu gehört. Und dafür sorgt Goldfish – die angesagteste Band hier am Kap – sie sind sollen DIE Newcomer in der Elektromusik sein. Schauen wir mal!

Kapstadts Goldfische

„Goldfish“ ist eine feste Größe in Kapstadt, eine Institution sozusagen. So wie Seeed und Berlin oder Fettes Brot und Hamburg einfach zusammengehören.
Diese Kapstädter Zierfische heißen David Poole und Dominic Peters und sind beide studierte Jazz-Musiker. Und sie sind wirklich einzigartig, eigentlich so gar keine Goldfische. Beide Musiker vermischen klassische Instrumental- und elektronische Musik zu einem ganz eigenen Afro-Jazz-House. Ihre chillige House-Musik unterlegen sie mit Saxophon, Querflöte, Kontrabass und Keyboard und zwar live. Ich muss sagen, ein bisschen verliebt bin ich ja jetzt in diese Goldfische, obwohl ich Fische nicht mag nur als Sushi.
Aber hört selbst: http://www.myspace.com/goldfishlive

Fort Knox video clip

Meine Diskograpie wird immer größer. Auch „Plush“ gehört jetzt zum meinem Repertoire. Drei Jungs – zwei davon sind verdammt süß, aber das ist nur Nebensache.
Da ist der Frontmann Rory Eliot aus KwaZulu Natal, der vor 10 Jahren eine Gitarre in die Hand nahm und sie seitdem nicht mehr los ließ. Jetzt nach mehr als 1000 Auftritten und drei Alben ist Rory Eliot ein musikalischer Genuss – ein Juwel der Rock-Pop-Szene hier in Südafrika.


Lecker: Rory Eliot
Seine ersten Erfolge feiert Rory Eliot mit seiner Band "Plush". Beschrieben wurde Plush damals als „so unbelievably tight that they sound as though they are one masterful musician, playing two guitars, with four arms and one almighty voice”.
Rory Eliot und seinem Bandmitglied Chas Smit steht die Welt offen, sie werden geferit und gelobt. Doch der Beginn der Karierre endet schnell und tragisch. Der begabte Gitarrist Smit kommt nach einem Auftitt ums Leben. Ein betrunkener Autofahrer überfährt den 23jährigen an einer Kreuzung. Damit verabschiedet sich auch Rory Eliot aus dem Musikgeschäft.

Im Oktober 2006 meldet sich Rory Eliot unerwartet zurück. Ganz einfach unter seinem Namen. Er holt Drummer Ben Peters und Bassist Emelio Gassibe mit ins Boot. Und ihre Musik berührt. Sie haben Leidenschaft auf der Bühne, sie leben für die Musik und das macht Rory Eliot and the Reason einzigartig.
Aber hört selbst: http://www.myspace.com/roryeliot

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Am Kap der Gelassenheit: Was Wetter, Wein und Wellen so bewirken

Kapstadt am Südzipfel Afrikas ist schon ganz schön verwöhnt - mit einfach zu gutem Wetter und zu schönen Stränden. Eine kleine Diva eben! Keine Frage, das hat Auswirkungen auf den Alltag. Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit sind das Ergebnis der Wir-Sind-noch-gerade-am-Strand-Mentalität. Wenn die Sonne auf die Glitzermetropole brennt, dann lockt eben der Strand und was du heute nicht kannst besorgen, das verschiebe eben auf übermorgen (wenn das Wetter dann wieder schlechter ist).
Sonnenuntergang mal kurz nach der Arbeit ....



... oder ein kleines Picknick am Fuße des Tafelberges mit Blick über das Meer

Wer sich verspätet, braucht auch keine „Sorry ich bin in zehn Minuten da“ SMS schreiben“. Und wer auf jemanden wartet, der sollte nach der halben Stunde Verspätung bloß nicht rumnörgeln. Schließlich ist das Kapstadt und da schalten eben alle einen Gang runter. Die Johannesburger nennen dieses Lebensgefühl liebevoll oder auch neidvoll Kapkoma. Mit gutem Grund. Denn die Johannesburger sind fleißig, geschäftstüchtig und arbeiten hart, sehr hart. Was sollen sie auch sonst machen? In Johannesburg gibt es keine Strände, die sie in Versuchung bringen und keine Weinberge gleich um die Ecke, die sie von der Arbeit abhalten. Echte Johannesburger würden nie nach Kapstadt ziehen und ein Kapstädter geht auch nur in allerletzter Instanz nach Johannesburg. Ein echter Berliner würde ja auch nicht freiwillig nach München ziehen.

Auch ich übernehme dieses Lebensgefühl immer mehr. Keine Konstruierung von irgendwelchen Problemen, die eigentlich gar nicht existieren und viel Geduld und Gelassenheit. Ich kann ewig in der Supermarktschlange warten, auch wenn es an der Kasse drei Stornos vor mir gibt und Staus regen mich schon lange nicht mehr auf. Und auch ich kann mir nicht vorstellen in Johannesburg zu wohnen. Ich halte es da lieber mit dem Spruch: Geduld ist die Tugend der Glücklichen. Und ich muss sagen, es stimmt.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Geburtstag auf südafrikanisch und wir sind endlich Weltmeister

Liebe Leser, ich bin jetzt mal kurz 27 geworden. Geboren also 1980 – ein ereignisreiches Jahr:
Das Birkhuhn beispielsweise wird Vogel des Jahres, Reinhold Messner bezwingt ohne Sauerstoffgerät als erster Bergsteiger den Mount Everest im Alleingang. Santa Maria von Roland Kaiser ist fünf Wochen auf Platz 1 der Single Charts. Die Sommerzeit wird wieder eingeführt und Ronald Reagan wird Präsident der USA. Deutschland wird Fußball-Europameister und Bob Marley gibt sein letztes Konzert.

Aber zurück zu Kapstadt. Kapstadt hat einen enormen Vorteil gegenüber Berlin. Ich kann Geburtstag feiern und im Freien eine Grillparty schmeißen. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Also lade ich zu einem großen Braai ein, um mit mir in den nun schon 27. Geburtstag zu feiern.


Kuchen für alle

Es gibt Björns legendären Kartoffelsalat sogar mit Gewürzgurken. Sie schmecken zwar nicht wie richtige Gewürzgurken, aber immerhin sehen sie so aus. Es gibt natürlich noch viel Fleisch und viel Alkohol, ach ja und viele Leute.
Es ist Mitternacht und alle machen sich bereit. Ein riesiger Schokoladenkuchen mit einem Mousse au Chocolat Belag wartet auf mich. Dazu gibt es eine Kerze. Es ist die Letzte, die noch im Haus zu finden war.


Geburtstagsküsse

Dazu gibt es das Geburtstagsständchen, es ist schief und krumm, aber sehr rührend. Alle stellen sich brav in die Reihe und dann darf geschüttelt, umarmt, geküsst und geknutscht werden. Und dann werfe ich meinen Kuchen unter die Geburtstagsgäste. Ach und dann sind da ja noch die Geschenke, man feiert ja schließlich nicht umsonst Geburtstage. An dieser Stelle möchte ich mich natürlich bei allen bedanken. Hier ein kleiner Auszug:
- ein kleines Taschengeld und geile Puma-Schuhe von meinen Eltern – Merci, das kann ich gut gebrauchen
- ein Berlin-Paket von meinen drei Berliner Engeln Anni, Dörte und Silke. Das hat mich echt zu Tränen gerührt
- Kitesurfkurs von Björn. Ich habe ihn überlebt, Björn leider nicht ganz
- eine handsignierte CD von Rory Eliot von Susan. Als echter Groupie fehlte mir das natürlich in meiner Sammlung
- Schweizer Schokolade und einen Liebesbrief von Nadja. Den Rest holen wir hier in Kapstadt nach
- Getty Images Fotobuch (1980s Decades of the 20th Century) von Wieland. Vielen Dank Herr Fotograf, eine wunderbare Idee
- und und und


Thema: Weltmeisterschaft
Großer Jubel und Freudentaumel in Südafrika. Die „Springboks“ wurden zum zweiten Mal Rugby-Weltmeister und damit ihrer Favoritenrolle gerecht. Unter den Augen von Prinz Harry und William stürzen die Südafrikaner Titelverteidiger England in einem dramatischen Spiel vom Thron. Ob in Durban, Johannesburg oder Kapstadt – überall im Land herrschte Ausnahmezustand nach dem verdienten Sieg. Auch bei mir brach das WM-Fieber aus. Eine Leinwand musste her, einheitliche Kleidung, Flaggen auf der Wange, Fahne in der Hand und dann immer schön zusammen Lieder einstimmen. Wenigstens noch mal ein wenig WM-Final-Luft schnuppern...




Ein kleiner Rugby-Fan feiert mit

Es ist 21 Uhr. Anstoß in Paris vor 80.000 Zuschauern. Wir sitzen am Hafen vor einer riesigen Leinwand. Alle tragen grün, rot ist tabu, außer man sympathisiert mit den Engländern.
Ich bin stolz, denn ich verstehe immer mehr das Spiel. Rugby ist spannend. Statt ein oder zwei Stürmer wie beim Fußball gibt es bei Rugby Acht davon. Besonders lustig wird es, wenn es zum so genannten ruck kommt. Hier werfen sich die Spieler übereinander, aber auf den Füßen stehend und versuchen den Gegner wegzuschieben. Der Ball darf dabei nicht mit der Hand gespielt werden.


Jaaa, wir sind Weltmeister

Es sieht nach einem dramatischen Finale. Zur Halbzeit führt Südafrika nur ganz knapp. Alles ist offen. Dann die 65. Minute. Nur noch 15 Minuten ... plötzlich .. Dunkelheit. Das darf nicht wahr sein. Stromausfall zum Finale. Die Leinwand ist nur noch ein grauer Schatten. Und jetzt? Geduldig sein? Wir sind es. Nach ca. sieben Minuten geht es weiter. Alles halb so schlimm und am Ende gewinnt Südafrika in einem sehr defensiven Spiel dennoch verdient. Nach dem Abpfiff bebt die Stadt. Autokorsos mit Hupen und Flaggen, die Menschen liegen sich in den Armen, Feuerwerke und Jubeschreie ... ach schade ... wären wir doch letztes Jahr auch Weltmeister geworden.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Ein Wochenende in der Wildnis: Die Big Five und andere Abenteuer

Was fällt uns sofort ein, wenn wir an Südafrika denken? Ja, natürlich – der Krüger Nationalpark! Wir stellen uns vor, wir fahren in khakifarbenen Hemden und Safarihut in einem offenen Jeep durch die Steppe. Gerüstet mit Kamera und Fernglas pirschen wir uns durch das Dickicht immer auf den Spuren der „Big Fives“. Ja so oder so ähnlich ist auch der Kurztrip mit Björn verlaufen.
Wir treffen uns am Flughafen in Johannesburg. Anne-Katrin, meine ehemalige Bild-Kollegin, holt uns ab. Von der Autobahn sehen wir die glitzernde Skyline, von hier sieht die Stadt so friedlich aus. Auch die Gegend, in der Anne wohnt, scheint so friedlich. Unweit von ihrem Haus in Melville befinden sich kleine Cafés zum entspannen, Galerien zum Staunen, alte Antiquariatsläden zum Stöbern. Hier treffen sich die Johannesburger (auch Jozis genannt) und trinken ihren morgendlichen Café in der Sonne. Abends verwandelt sich diese Gegend dann in eine pulsierende Partymeile. Und dann ist da ja noch Annes Haus. Das ist einfach wunderbar. Wir haben das Gefühl irgendwo in der Toskana gelandet zu sein. Alles ist so mediterran verziert, ein dunkler Dielenboden, handverputzte ockerfarbenene Wände, die Badezimmer aus Naturstein gestaltet, auf der Terrasse rankt üppig das Efeu herunter. Am großen Holztisch am offenen Kamin gibt es Käse, Wein und Oliven.
Soll Johannesburg wirklich so eine gefährliche Stadt sein? Der Statistik zu folge schon: Die Zahl der Morde überschreitet mittlerweile sogar die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle. Einer Studie des südafrikanischen Institute for Security Studies in Pretoria zufolge gab es beispielsweise im Jahr 1999 in Johannesburg 117 Morde pro 100 000 Einwohner.
Zeit in Johannesburg bleibt uns ohnehin nicht. Am nächsten Morgen sitzen wir in einem Van auf dem Weg in den berühmten Krügerpark – der Touristenmagnet Südafrikas! Zählt man im Jahre 1927 noch drei Fahrzeuge im gesamten 20.000 qkm großen Park (so groß wie Rheinland-Pfalz), so sind es heutzutage durchschnittlich 50.000 Besucher. Das Schutzgebiet wurde am 26. März 1898 von Präsident Paul Kruger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis gegründet. 1926 erhält das Gebiet den Status Nationalpark und wird in den heutigen Namen umbenannt.



Elegant stolzieren die Giraffen durch den Kruger

Nach gut fünf Stunden kommen wir in unserem Camp an – ein Bilderbuch-Safari-Camp. Wir wohnen in Baumhäusern aus Bambus, ein Moskitonetz hängt über dem Bett, ein alter Ventilator versucht sein bestes. Auf der Terrasse können wir über das grüne Dickicht schauen. Ein Zirpen, Zwitschern hallt aus dem Park. Wir sind die Hauptdarsteller in „Jenseits von Afrika“ – nur Robert Redford fehlt noch.
Wir sitzen am Lagerfeuer und lernen unsere Gruppe kennen. Das ist zum Beispiel Irvin, der Chemiewaffenbauer aus den USA. Jetzt hat er die Seite gewechselt und arbeitet für eine internationale Organisation, die für die Vernichtung der Chemiewaffen zuständig ist. Oder da ist Rick, der die Opfer des Bürgerkrieges im Kosovo zählt.


Touri Björn freut sich auf die Safari

Am nächsten Morgen beginnt unsere erste Safari. In einem olivenfarbenen offenen Jeep nehmen wir Platz. Zuererst erklärt unser Ranger mit dem Namen Prinz Charles uns die Safari-Regeln. Den Jeep nicht verlassen! Nicht vor lauter Begeisterung los schreien, wenn man einen Löwen entdeckt! Und nicht bei jeder Giraffe Stop rufen! Na gut, dann los. Der Jeep schaukelt über die Schotterstraße, ein fast noch kühler Fahrtwind streichelt unser Gesicht. Es ist mucksmauschenstill im Jeep. Wir lauschen gespannt den Krüger-Geräuschen, wir schauen in die Weite. Da plötzlich. Vor unserer Nase. Ganz dicht. Giraffen. Ganz elegant und unbeeindruckt von uns bewegen sie sich von Strauch zu Strauch und knabbern an den Blättern. Daneben eine Herde Zebras und dazu der typische Ranger-Witz: „Schaut mal, das sind Pferde im Pyjama! Und was ist der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Zebras? Na!? Männliche Zebras haben schwarz-weiße Streifen und weibliche weiß-schwarze-Streifen! Ha, Ha!


Seekopfadler haben den perkten Platz

Kameras werden gezückt, es klickt und klickt. Wir fahren weiter. Am Straßenrand stakst eine Herde Impalas (Antilope) entlang. Links und rechts lebt auf einmal der Krügerpark. In einem Baum machen es sich ein paar Weißkopfadler bequem. Darunter watscheln Warzenschweine entlang und in der Ferne hüpfen Kudus durch die Steppe. Ein nächster Stopp. Büffel! Was für mächtige Tiere. Kameras klicken wieder – schließlich gehört der Büffel auch zu den Big Five.


Löwen gelangweilt im Krüger

Jetzt noch Löwen sehen, das wäre doch was! Unser Ranger macht sich schlau. „He habt ihr heute schon Löwen gesehen, fragt er den Fahrer des vorbeikommenden Autos. „Ja heute morgen, 30 Kilometer nördlich, zwei Kilometer vor der Kreuzung auf der rechten Seite! Also ob, die um drei Uhr nachmittags noch an der gleichen Stelle liegen. Pah! Doch Prinz Charles hat ein gutes Gefühl. Er kennt sich aus, weiß genau, wo sie sein sollen. Er lenkt, dreht nach rechts, dann nach links, vorbei an Rehen, Zebras, Vögeln, sogar ein Krokodil sehen wir auf dem Weg. Plötzlich hält er an. Es raschelt im Gebüsch. „Da Löwen“. Es sind fünf oder sechs. Sie liegen in der abendlichen Sonne. Ihr Essen liegt daneben. Ein Kadaver. Satt und zufrieden aalen sie sich im Gras. Scheinbar stören wir sie nicht. Prinz Charles fährt näher, keine zehn Meter sind sie von uns entfernt. Uns stockt der Atem. Wahnsinn. Ganz erstarrt von diesem Erlebnis kehren wir in unser Bambushaus zurück.

Sonnenuntergang im Krüger

Der nächste Morgen. Es ist kein Wecker, der uns wach macht. Komische Geräusche sind nicht weit entfernt. Plötzlich raschelt es an unserem Haus. Die Geräusche werden lauter. Das Rascheln auch. Sie hämmern gegen die Tür und kreischen. Irgendjemand oder irgendetwas will unser Haus eindringen. Nur was! Wir haben keinen eingeladen. Ich habe ein bisschen Angst. Ranger Björn geht vor die Tür. Es sind freche Affen, die sich dann blitzartig aus dem Staub machen.
Unsere Safari geht weiter. Wieder sehen wir Giraffen, Zebras und Antilopen. Jetzt auch ein paar Gnus. Eine Delikatesse übrigens für viele Tiere hier im Krügerpark. Leider sind diese Gnus auch ein bisschen dämlich. Wird ein Tier in der Herde gefressen, rennen sie nicht weg. Nach ein paar Metern drehen sie wieder um, um nach ihrem Freund zu schauen. Ein fataler Fehler!
In der Ferne sehen wir einen einsamen Elefanten. Die Straße wird auf einmal holpriger. Mit dem Jeep fahren wir durch tiefe Pfützen, was für ein Abenteuer. Unser Ranger entdeckt frische Nashorn-Spuren und Kacke. Wir halten gespannt Ausschau. Und da – zwei Nashörner. Prinz Charles sorgt für Stille im Jeep. Wir beobachten diese massiven „Urtiere“ aus der Nähe. Bis zu 3000 Kilo können sie schwer werden und das Horn wird bis zu 3,5 Meter lang. Wir beobachten, wie ein dämliches Gnu Hallo sagen will. Ein kurzen Stampfen und Schnaufen und das Gnu rennt und ist über alle Berge verschwunden. Was für ein Finale. Das ist Afrika! Betäubt und mit tausend Tiereindrücken geht es am nächsten Tag zurück nach Johannesburg.
Fortsetzung folgt.



Diese Urtiere können bis zu 50 km/h schnell werden