Was fällt uns sofort ein, wenn wir an Südafrika denken? Ja, natürlich – der Krüger Nationalpark! Wir stellen uns vor, wir fahren in khakifarbenen Hemden und Safarihut in einem offenen Jeep durch die Steppe. Gerüstet mit Kamera und Fernglas pirschen wir uns durch das Dickicht immer auf den Spuren der „Big Fives“. Ja so oder so ähnlich ist auch der Kurztrip mit Björn verlaufen.
Wir treffen uns am Flughafen in Johannesburg. Anne-Katrin, meine ehemalige Bild-Kollegin, holt uns ab. Von der Autobahn sehen wir die glitzernde Skyline, von hier sieht die Stadt so friedlich aus. Auch die Gegend, in der Anne wohnt, scheint so friedlich. Unweit von ihrem Haus in Melville befinden sich kleine Cafés zum entspannen, Galerien zum Staunen, alte Antiquariatsläden zum Stöbern. Hier treffen sich die Johannesburger (auch Jozis genannt) und trinken ihren morgendlichen Café in der Sonne. Abends verwandelt sich diese Gegend dann in eine pulsierende Partymeile. Und dann ist da ja noch Annes Haus. Das ist einfach wunderbar. Wir haben das Gefühl irgendwo in der Toskana gelandet zu sein. Alles ist so mediterran verziert, ein dunkler Dielenboden, handverputzte ockerfarbenene Wände, die Badezimmer aus Naturstein gestaltet, auf der Terrasse rankt üppig das Efeu herunter. Am großen Holztisch am offenen Kamin gibt es Käse, Wein und Oliven.
Soll Johannesburg wirklich so eine gefährliche Stadt sein? Der Statistik zu folge schon: Die Zahl der Morde überschreitet mittlerweile sogar die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle. Einer Studie des südafrikanischen Institute for Security Studies in Pretoria zufolge gab es beispielsweise im Jahr 1999 in Johannesburg 117 Morde pro 100 000 Einwohner.
Zeit in Johannesburg bleibt uns ohnehin nicht. Am nächsten Morgen sitzen wir in einem Van auf dem Weg in den berühmten Krügerpark – der Touristenmagnet Südafrikas! Zählt man im Jahre 1927 noch drei Fahrzeuge im gesamten 20.000 qkm großen Park (so groß wie Rheinland-Pfalz), so sind es heutzutage durchschnittlich 50.000 Besucher. Das Schutzgebiet wurde am 26. März 1898 von Präsident Paul Kruger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis gegründet. 1926 erhält das Gebiet den Status Nationalpark und wird in den heutigen Namen umbenannt.

Elegant stolzieren die Giraffen durch den Kruger
Nach gut fünf Stunden kommen wir in unserem Camp an – ein Bilderbuch-Safari-Camp. Wir wohnen in Baumhäusern aus Bambus, ein Moskitonetz hängt über dem Bett, ein alter Ventilator versucht sein bestes. Auf der Terrasse können wir über das grüne Dickicht schauen. Ein Zirpen, Zwitschern hallt aus dem Park. Wir sind die Hauptdarsteller in „Jenseits von Afrika“ – nur Robert Redford fehlt noch.
Wir sitzen am Lagerfeuer und lernen unsere Gruppe kennen. Das ist zum Beispiel Irvin, der Chemiewaffenbauer aus den USA. Jetzt hat er die Seite gewechselt und arbeitet für eine internationale Organisation, die für die Vernichtung der Chemiewaffen zuständig ist. Oder da ist Rick, der die Opfer des Bürgerkrieges im Kosovo zählt.

Touri Björn freut sich auf die Safari
Am nächsten Morgen beginnt unsere erste Safari. In einem olivenfarbenen offenen Jeep nehmen wir Platz. Zuererst erklärt unser Ranger mit dem Namen Prinz Charles uns die Safari-Regeln. Den Jeep nicht verlassen! Nicht vor lauter Begeisterung los schreien, wenn man einen Löwen entdeckt! Und nicht bei jeder Giraffe Stop rufen! Na gut, dann los. Der Jeep schaukelt über die Schotterstraße, ein fast noch kühler Fahrtwind streichelt unser Gesicht. Es ist mucksmauschenstill im Jeep. Wir lauschen gespannt den Krüger-Geräuschen, wir schauen in die Weite. Da plötzlich. Vor unserer Nase. Ganz dicht. Giraffen. Ganz elegant und unbeeindruckt von uns bewegen sie sich von Strauch zu Strauch und knabbern an den Blättern. Daneben eine Herde Zebras und dazu der typische Ranger-Witz: „Schaut mal, das sind Pferde im Pyjama! Und was ist der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Zebras? Na!? Männliche Zebras haben schwarz-weiße Streifen und weibliche weiß-schwarze-Streifen! Ha, Ha!

Seekopfadler haben den perkten Platz
Kameras werden gezückt, es klickt und klickt. Wir fahren weiter. Am Straßenrand stakst eine Herde Impalas (Antilope) entlang. Links und rechts lebt auf einmal der Krügerpark. In einem Baum machen es sich ein paar Weißkopfadler bequem. Darunter watscheln Warzenschweine entlang und in der Ferne hüpfen Kudus durch die Steppe. Ein nächster Stopp. Büffel! Was für mächtige Tiere. Kameras klicken wieder – schließlich gehört der Büffel auch zu den Big Five.

Löwen gelangweilt im Krüger
Jetzt noch Löwen sehen, das wäre doch was! Unser Ranger macht sich schlau. „He habt ihr heute schon Löwen gesehen, fragt er den Fahrer des vorbeikommenden Autos. „Ja heute morgen, 30 Kilometer nördlich, zwei Kilometer vor der Kreuzung auf der rechten Seite! Also ob, die um drei Uhr nachmittags noch an der gleichen Stelle liegen. Pah! Doch Prinz Charles hat ein gutes Gefühl. Er kennt sich aus, weiß genau, wo sie sein sollen. Er lenkt, dreht nach rechts, dann nach links, vorbei an Rehen, Zebras, Vögeln, sogar ein Krokodil sehen wir auf dem Weg. Plötzlich hält er an. Es raschelt im Gebüsch. „Da Löwen“. Es sind fünf oder sechs. Sie liegen in der abendlichen Sonne. Ihr Essen liegt daneben. Ein Kadaver. Satt und zufrieden aalen sie sich im Gras. Scheinbar stören wir sie nicht. Prinz Charles fährt näher, keine zehn Meter sind sie von uns entfernt. Uns stockt der Atem. Wahnsinn. Ganz erstarrt von diesem Erlebnis kehren wir in unser Bambushaus zurück.

Sonnenuntergang im Krüger
Der nächste Morgen. Es ist kein Wecker, der uns wach macht. Komische Geräusche sind nicht weit entfernt. Plötzlich raschelt es an unserem Haus. Die Geräusche werden lauter. Das Rascheln auch. Sie hämmern gegen die Tür und kreischen. Irgendjemand oder irgendetwas will unser Haus eindringen. Nur was! Wir haben keinen eingeladen. Ich habe ein bisschen Angst. Ranger Björn geht vor die Tür. Es sind freche Affen, die sich dann blitzartig aus dem Staub machen.
Unsere Safari geht weiter. Wieder sehen wir Giraffen, Zebras und Antilopen. Jetzt auch ein paar Gnus. Eine Delikatesse übrigens für viele Tiere hier im Krügerpark. Leider sind diese Gnus auch ein bisschen dämlich. Wird ein Tier in der Herde gefressen, rennen sie nicht weg. Nach ein paar Metern drehen sie wieder um, um nach ihrem Freund zu schauen. Ein fataler Fehler!
In der Ferne sehen wir einen einsamen Elefanten. Die Straße wird auf einmal holpriger. Mit dem Jeep fahren wir durch tiefe Pfützen, was für ein Abenteuer. Unser Ranger entdeckt frische Nashorn-Spuren und Kacke. Wir halten gespannt Ausschau. Und da – zwei Nashörner. Prinz Charles sorgt für Stille im Jeep. Wir beobachten diese massiven „Urtiere“ aus der Nähe. Bis zu 3000 Kilo können sie schwer werden und das Horn wird bis zu 3,5 Meter lang. Wir beobachten, wie ein dämliches Gnu Hallo sagen will. Ein kurzen Stampfen und Schnaufen und das Gnu rennt und ist über alle Berge verschwunden. Was für ein Finale. Das ist Afrika! Betäubt und mit tausend Tiereindrücken geht es am nächsten Tag zurück nach Johannesburg.
Fortsetzung folgt.

Diese Urtiere können bis zu 50 km/h schnell werden